01/14: Back to Germany

Auf Nachfrage nun die kurze, nachgelieferte Information: Ich bin wieder in Deutschland, lebe in Dresden und studiere Internationale Beziehungen an der TU. :)

01.Juli: 5 more weeks to go ...

Der Countdown laeuft. Heute in fuenf Wochen fliege ich nachhause. Mir geht es sehr gut. Gestern kam ich von dem Endterm-Camp meiner Organisation wieder: Wir waren fuer eine Woche in Kitui und haben beim Bau einer Buecherei geholfen. Nun bin ich auf der Arbeit und sehe meinem letzten Monat mit Freude entgegen. 
Wenn ihr oben auf der Navigationsleiste auf den Punkt "Projekt" klickt, seht ihr Bilder von mir und meiner letzten Aktion, der Wandverschoenerung der Schulklos.  

27.Mai: Toothbrushing Day

Nach einer langen Vorbereitungszeit im Unterrichtsfach Health Education, hat meine 8. Klasse heute erfolgreich den Zaehneputztag durchgefuehrt. In 3er/4er-Gruppen sind meine Schuelerinnen und Schueler von der Vorschule bis in die 7. Klasse gegangen und haben den Kleinen erklaert Warum, Wann und Wie man richtig Zaehne putzt. Im Anschluss an die 30-minuetige Lektion erhielt jedes der 350 Kinder eine Zahnbuerste und eine Zahnpasta. Es war eine erfolgreiche und lehrsame Lektion.

 

Ich habe FOTOS hochgeladen. Ihr findet sie allerdings nicht, wenn ihr auf Fotos klickt, sondern nur wenn ihr auf PROJEKT klickt (siehe Navigationsleiste oben). 

08.Mai: Neue Fotos

Liebe Blogger,

 

mir geht es super. Ich bin auf der Arbeit und starte heute meine letzte grosse Arbeitsphase bevor es dann im August zurueck nach Deutschland geht.

 

Ich habe neue Fotos hochgeladen. Zum einen Fotos von St. Peter's school (siehe Bericht vom 05. April), zum anderen von Erlebnissen im April.

 

Viel Spass beim Lesen.

05.April: Schule für geistig und körperlich behinderte Menschen

Nachdem ich eine Nacht bei einem Freiwilligen, der in Kinoo wohnt, übernachtet habe, sind wir am nächsten Morgen gegen 08:30 Uhr in Kangema in den Schulbus eingestiegen, der uns in seine Projektstelle gefahren hat. Yang arbeitet an der „St. Peter’s School for mentally and physically challenged children“, einer Schule für ungefähr 30 geistig und körperlich behinderte Kinder und Erwachsene. Es ist eine anstrengende Routinearbeit, die einen geistig und körperlich fordert. Mir fiel oft der Umgang schwer und ich war verunsichert.


Die Anreise zur Schule verlief gut und mit Schülern, Lehrern und Therapeuten waren sicherlich 25 Personen in dem Matatu. Die Schule befindet sich auf einem wunderschönen Gelände. Wie das in Kenia Montags und Freitag der Fall ist, findet eine Generalversammlung statt und es wird wie in meiner Schule gesungen, getanzt und gebetet. Außerdem werden Neuigkeiten von der Schulleiterin, einer katholischen Nonne, in die Runde gegeben. Ich empfand die Situation zu Beginn seltsam, weil die wenigsten Kinder aufgrund ihrer schweren Behinderung zuhören konnten und weder Gebet noch die Ansprache der Schulleiterin wahrnahmen – alles also „für die Katz“? Nein! Schnell wurde mir klar, dass dies der einzige richtige Weg ist, den Kindern ein normales Leben zu geben, indem man sie normal behandelt und ihnen das morgendliche Ritual nicht erspart, nur weil sie es ohnehin nicht verstehen.

 

Des Weiteren hat mich der Optimismus der Lehrer beeindruckt, von dem wiederum die Kinder profitieren: Die Kernaussage des Gebets war nämlich, dass Gott der Erlöser aller Leiden, Qualen und Krankheiten ist – das wirkte beinahe zynisch für Menschen wie mich, die meine kulturelle Brille tragen.

 

In den Morgenstunden, die von einer Frühstückspause unterbrochen wurde, zeigte mir Yang, wie man die Kinder therapiert. Viele Schüler/innen werden an einer Vorrichtung festgebunden, die das Rückgrad und die Beine streckt, anschließend werden sie massiert oder üben Sitzen, Stehen oder Laufen. Andere Kinder werden auf eine Toiletteneinrichtung gesetzt und üben – üben, wie man es richtig macht. Ich massierte sich stets zusammenkrampfenden Finger, begleitete ein Kind in einer Laufeinrichtung und übte das Sitzen, bis die sinnvolle Therapiestunde zu Ende ging und Mittagessen serviert wurde. Erst werden die Kinder mit dem gesunden und leckeren Essen gefüttert, dann erst isst das Team. Am Nachmittag wurde in der Klasse gebastelt, im Garten gespielt und im Zimmer therapiert, bis die Kinder gegen 16 Uhr mit dem Schulbus wieder zurück zu ihren Eltern nach Kangema gebracht wurden.

 

Die Arbeit ist sinnvoll. Allerdings findet das Leben der Kinder nicht nur in der Schule statt; es ist kein Internat. Es wäre sinnvoller, wenn man die Eltern der Kinder über die Therapiemethoden bei Hausbesuchen unterrichtet und aktiv einbezieht, so dass nicht nur in der Schule, sondern auch zuhause gelernt wird (z.B. Toilettentraining). Es ist unglaublich, wie viel Zeit man für jedes Kind aufbringen muss und ich habe großen Respekt vor den Eltern der Kinder.

 

Die Kinder sind süß, aufgeweckt, interessiert, anhänglich und strahlen – weil sie eben noch so jung sind – eine beeindruckende Lebensfreude aus. Es war das schönste für mich, ein Lächeln der Kinder geschenkt zu bekommen – ein Lächeln das vom Herzen kommt und etwas ganz besonderes ausstrahlt.

24.Maerz: NEU! Kenya MUN

Auf der Navigationsleiste (siehe oben) seht ihr zwischen den Punkten

 

Startseite, Blog, Gastfamilie, Projekt, Fotos etc.

 

einen neuen Punkt, und zwar --> NEU! Kenya MUN

 

Auf dieser Seite habe ich meine besondere Erfahrung festgehalten, die ich diese Woche erleben durfte.

Mein langer Bericht ist mit Fotos ausgeschmueckt und durch aus lesenswert!

 

Viel Spass! :)

21.Februar: handwashing day

Gestern habe ich einen Aktionstag organisiert, und zwar den Handwaschtag!

 

Seit ungefaehr zwei Monaten habe ich meine 8. Klasse, die ich in Health Education unterrichte, auf diesen besonderen Tag vorbereitet. Ich habe sie in 5er-Gruppen eingeteilt und sie haben sowohl die Babyklassen als auch die 1. bis 7. Klasse ueber das Thema Handhygiene erfolgreich unterrichtet.

 

Die Organisation des gestrigen Tages war mit sehr viel Arbeit verbunden. Neben der Vermittlung des eigentlichen Unterrichtstoffes musste ich die Gruppenarbeit koordinieren, Verbesserungsvorschlaege abgeben und ihnen bei Problemen und Fragen zur Seite stehen. Hinzu kam die Organisation des Aktionstages und die Beschaffung von Seifenspendern und einem Stueck Seife fuer jedes Kind.

 

Weil der Tag nun vorbei ist und sehr gut lief, bin ich gluecklich, dass er vorueber ist und ich mich vorerst “nur” auf das Unterrichten konzentrieren kann. Noch viel wertvoller allerdings ist die Erkenntnis, dass meine 8. Klasse und ich etwas gutes gemacht haben - wenn man so will, kann man sagen, dass wir durch unser Engagement die Welt ein Stueckchen verbessert wird. 400 Kinder sind nun ueber das Thema Handhygiene aufgeklaert und selbst wenn nur ein Kind durch gutes Haendewaschen keinen Durchfall bekommt, haben wir unsere Mission erfuellt (80 percent of diseases are transmitted by unwashed hands - diarrhea still causes many deaths in Kenya; it is a very serious disease!).

 

Ich bedanke mich bei meiner Stufe fuer das Geld aus der Stufenkasse, wovon ich vier Seifenspender fuer die Schultoiletten und Seife fuer jedes Kind kaufen konnte.

18.Februar: Update

Hallo meine Lieben,

 

so, habe meinen Blog aufgepeppt - er ist aktualisiert!

 

Wie geht’s mir? Gut, danke! Ich bin nach einem kurzen Tief, das auf den Besuch meiner Mama folgte, wieder froehlich und vor allem auf der Arbeit hochmotiviert. Am Donnerstag, den 21. Februar, findet der grosse “Handwashing-Day” statt. Ich habe vier Seifenspender und fuer jedes der 400 Kinder Seife gekauft; meine 8. Klasse wird den Unterricht abhalten, nachdem ich sie in den letzten Wochen darauf vorbereitet habe. Das Gesundheitsprojekt bereitet uns allen viel Spass – und mir persoenlich auch viel Arbeit. :-)

 

Mein Geburstag steht in 10 Tagen vor der Tuere. An diesem Tag werde ich mir meinen persoenlichen Traum erfuellen und etwas sehr besonderes machen – keine Sorge also, es wird ein einmaliger Tag fuer mich!


Auf meinen Geburststag folgen die Wahlen am 04. Maerz, und im Anschluss wird wieder fleissig gearbeitet!

 

Fazit meines kurzen Updates: Alles in Butter, mir geht’s sup(p)er! :-)

06.Februar: Halbjahresbericht

von Wasil Engel aus Brother Beausang, Embul-Bul, Kenia (weltwärts 2012/13)


In meinem letzten Bericht bin ich hauptsächlich auf den Lernprozess eingegangen, der sich in mir abspielt. Es wundert mich immer wieder, dass dieser Prozess nicht aufhört, sondern anhält und ich stets neue Erkenntnisse habe. Neulich haben sich meine politischen Ansichten, meine Einstellung zu Arbeit und meine Vorstellung von Identität verändert. Im Bezug auf den letzten Punkt habe ich realisiert, dass meine Herkunft Teil meiner Identität ist und dass ich – egal wie sehr ich mich bemühe – von den meisten Kenianern immer als “Mzungu” (weisser Mensch, der sich verlaufen hat) angesehen werde. Und das ist vollkommen in Ordnung, denn ich habe begriffen, dass Kenia – so gut es mir auch gefällt – nicht meine Heimat ist. Überraschenderweise habe ich für mich festgestellt, dass ich eine starke emotionale Bindung zu meiner Heimat Deutschland (als Teil von Europa) habe. Ich bin Europäer, insbesondere im Bezug auf die “europäischen Werte” (z.B. Toleranz, Demokratie, …).


Im Folgenden möchte ich genauer auf meine Projektarbeit eingehen, deren Beschreibung in meinem letzten Bericht zu kurz kam.


Ich verbringe viel Zeit in meinem Projekt. Die letzten Tage bin ich jeweils um 05 Uhr aufgestanden, so dass ich ab 06:30 Uhr im Projekt anfangen konnte, meine Pflichten zu erledigen. Vor 16:30 Uhr verlasse ich die Schule selten. Es gibt glücklicherweise viele Möglichkeiten, sich in meinem Projekt zu beschäftigen (nationale Zeitungen, Computer, …) und zu engagieren, so dass ich die Zeit in der Schule sehr geniesse und auch effizient nutzen kann. Zur Zeit unterrichte ich die 2. Klasse in Englisch und die 8. Klasse in Gesundheit. Den Gesundheitsunterricht habe ich konzipiert. Mein Ziel ist es, jeweils ein Thema (z.B. hand washing, oral hygiene, …) mit meiner Klasse zu besprechen, woraufhin meine Schüler dann in die unteren Klassen gehen (Vorschule bis 7. Klasse) und den jüngeren Schülern das vermitteln, was ich ihnen zuvor beigebracht habe. An diesem Vorhaben arbeite ich zur Zeit intensiv. Sobald ich mehr Zeit und Ruhe habe, möchte ich wieder in der Secondary School unterrichten.

Neben dem Unterrichten leite ich gemeinsam mit meiner Projektpartnerin viele außerunterrichtliche Aktivitäten:
- Wir gehen jeden Montag alternierend mit den Klassen 5-8 im nahgelegenen Pool der Nachbarschule schwimmen. Die Kinder sind begeistert und lieben das Schwimmtraining.
- Wir haben einen MUN-Club (steht für Model United Nations) an der Secondary School gegründet, mit dem Ziel ältere Schüler bezüglich wichtiger politischer Fragen zum Denken zu animieren. Unser Ziel ist es, eine MUN an unserer Schule zu simulieren.
- Wir haben eine Lesenacht organisiert. Die damalige 5. Klasse blieb an diesem Tag länger in der Schule, wir haben Spiele gespielt und den Kindern abends bei Kerzenlicht deutsche Märchen vorgelesen.
- Wir haben erfolgreich den Deutsch-Club ins Leben gerufen. Mit unserer motivierten Truppe lernen wir zweimal wöchentlich Deutsch und freuen uns, bereits Fortschritte verzeichnen zu können.
Vieler meiner Ziele von meiner imaginären to-do-Liste konnte ich bereits erfüllen. Auch persönlich habe ich viel erreicht. Als Lehrer trete ich mittlerweile selbstbewusst auf.


Die Zusammenarbeit mit meiner Ansprechperson im Projekt ist einwandfrei. Er ist verständnisvoll, entgegenkommend und freundlich. Durch seine Unterstützung und sein Vertrauen in mich sind viele meiner Ideen realisierbar und ich bleibe stets motiviert. Meine Motivation hat seit Projektbeginn nicht abgenommen – ganz im Gegenteil: Desto mehr ich zur Entwicklung im Projekt beitrage, desto mehr habe ich das Gefühl, zu dessen Gelingen beizutragen.


Das Leben in meiner Gastfamilie ist einfach, weil sowohl meine Gasteltern als auch meine Geschwister sehr sympathisch sind. Mit meinen Freunden habe ich mich schon oft über das Leben in den Gastfamilien unterhalten, und wir kamen zu dem Schluss, dass es sinnvoll ist, in einer so fremden Kultur von einer Gastfamilie behütet zu werden, weil man auf diese Weise die Kultur und Sitten des Gastlands zu verstehen lernt. Auf der anderen Seite fällt es einem auch gelegentlich schwer, nach langer Zeit im Elternhaus erneut Kind einer Familie zu sein, wo man doch so viel gelernt hat und – fùr mich kann ich das definitiv sagen – so eigenständig geworden ist.

 

23.Dezember: Ein Weihnachtsgruß

Seit mehr als vier Monaten bin ich nun schon in Kenia und feiere das erste Mal in meinem Leben Weihnachten im Warmen. Gestern war ich meine Weihnachtseinkäufe erledigen und das emotionale Tief zur Weihnachtszeit ist mir bisher erspart geblieben, auch wenn ich Verständnis für die vielen Freiwilligen habe, die sich momentan nicht wohl fühlen. Ich bin nicht in Weihnachtsstimmung, weil ich diese besonnene Zeit des Jahres stets mit Kälte verbunden habe - stattdessen in Hitze zu leben macht einen entscheidenden Unterschied. Wenn man bedenkt, dass ich letzte Woche noch am Strand in Mombasa war (es war super!), geschwitzt habe und mich in der Sonne gebräunt habe, versteht man (vielleicht), dass keine wirkliche Weihnachtsstimmung aufkommen kann, nur aus einem einzigem, aber entscheidenden Grund: dem warmen Wetter.

 

Ich freue mich sehr auf das bevorstehende Weihnachtsfest, das ich mit meiner Gastfamilie vom 24.12. bis zum 26.12. feiern werde. Für Heiligabend werde ich einen schönen Abend planen mit einem tollen Desert und Spielen; für den 25. und 26. lasse ich mich dann mit Spannung auf eine neue Art des Weihnachtsfest ein, auf ein warmes kenianisches Weihnachten mit meiner Gastfamilie.

 

Euch wünsche ich allen ein gesegnetes und frohes Weihnachtsfest, frohe Festtage, ob in Kälte mit Schnee und Plätzchen oder in kurzer Hose an einem warmen … ja, Plätzchen. :-)

29.November: Der zehnthöchste Berg der Welt

Von Samstag bis Mittwoch war ich wandern.

 

Die organisierte Berg-Safari auf den Mount Kenya habe ich schon seit langem in Zusammenarbeit mit meinem Gastvater, einem Reiseführer und den anderen Freiwilligen geplant. Unsere Reisegruppe setzte sich aus Freiwilligen unterschiedlicher Nationen zusammen: Wir kamen aus Dänemark, Finnland, Taiwan und Deutschland.

 

Den Bus mussten wir vier Freiwilligen aus Ngong bereits um 04:45 Uhr nehmen, um pünktlich um 05:30 Uhr im Stadtzentrum Nairobis zu sein. Wie so oft war es wieder so, dass man sich viel Gedanken machte - Funktioniert alles wie geplant? Ob die Busse wohl pünktlich losfahren? - letztendlich funktionierte alles jedoch wunderbar und wir fuhren in unserem gemieteten Matatu pünktlich von Nairobi ab und kamen drei Stunden später in Nyanyuki an. Dort trafen wir zwei Reiseführer, acht Gepäckträger und zwei Köche, die uns während unserer Bergbesteigung zur Seite standen. Somit begann also meine erste Besteigung eines Berges, die des Mount Kenya. Der Mount Kenya ist der zehnthöchste Berg der Welt, der zweithöchste Berg Afrikas und der höchste Berg sowohl in Kenia als auch am Äquator, der durch Kenia und den den Mount Kenya umgebenden Nationalpark verläuft.

 

Hochmotiviert lief ich mit zwei Freiwilligen vor, durch den Regenwald, ein feuchtes, duftendes und vor allem grünes Territorium. Wir sahen Paviane und fanden Spuren von Elefanten und Büffeln, die insbesondere während dieser Zeit des Jahres, die des kurzen Regens (short rain season), auf die Wege kommen, weil es dort wärmer ist als "im Busch". Je weiter ich lief, desto mehr konnte ich den Wandel meiner Umgebung wahrnehmen: nach hohen Bäumen, feuchtem Terrain und bunten Pflanzen, erreichte ich nach kurzer Zeit bereits einen Punkt, an dem es keine Bäume mehr gab. Diese Baumgrenze war fasziniert, weil ab sofort nur noch Büsche zu sehen waren, die zwar immer noch grün waren, sich jedoch aufgrund ihrer Größe deutlich von den hochgewachsenen Bäumen absetzen. Dieser Übergang ist verblüffenderweise nicht fliessend, sondern markant und auffällig - wie eine Linie, die den Bäumen sagt: Ab hier ist Schluss mit Wachsen!

 

Die Landschaft wurde zunehmend hügliger und bald erreichten wir schon unsere Unterkunft, "Old Mose's Camp" (3600 Meter). Nach einem erstaunlich guten Frühstück ging unsere Tour am nächsten Tag weiter in Richtung Spitze. Auf dem knapp 15 Kilometer langem Weg zum nächsten Camp änderte sich die Landschaft erneut. Kleine Flüsse und eine immer feuchter (und kälter!) werdende Umgebung bestimmten das Bild, so dass Büsche ab einer Höhe von circa 4000 Metern von Moos ersetzt wurden. Die unberührte, atemberaubende Landschaft war geprägt von Tälern, die von Felsen umgeben waren, von Wolken, die sich in den Tälern sammelten, einer feuchten, kühlen und durchweg angenehmen frischen Luft und von Felswänden, an denen stetig Wassertropfen heruntertropften - eine faszinierende Herr der Ringe-Landschaft!

 

Die zweite Unterkunft, das "Shipton's Camp" (4200 Meter), lag direkt am Fuße der Spitze des Mount Kenya, des "Lenana Point", unserem auf 4985, sagen wir 5000, Metern hochgelegenen Ziel. Es war erstaunlich kalt dort und ich legte weder meine vier Hosen, noch meine vier Oberteile während meiner Zeit auf dieser Höhe ab. Neben der Kälte war es die Höhe, an die man sich gewöhnen musste. Deshalb fiel mir nachts das Schlafen schwer und ich bin, sobald ich eingeschlafen bin, oft kurze Zeit später nach Luft schnappend aufgewacht - wie als wäre ich gerade laufen gewesen. An die Luft musste ich mich gewöhnen und war aus diesem Grund froh, dass sich unser Tourguide für einen Akklimatisierungstag entschied, an dem wir nur eine kurze, idyllische Wandertour auf 4600 Meter machten. Es fiel mir wiederum auf, wie sehr sich die Landschaft veränderte: Zuerst waren es Bäume, es folgten Sträucher, dann Moos und nun sind es bloß noch Steine, die das Landschaftsbild bestimmten. Wie soll es bloß erst auf der Spitze des zweithöchsten Bergs Afrikas sein?

 

Am nächsten Morgen war es nun soweit und unsere Tour auf knapp 5000 Meter begann - die Tour auf die Spitze dieses massiven Bergs. Ich stand um 03 Uhr auf und begann mich mit meinen Mitstreitern im Dunkeln auf den Weg. Das Geröll, der Wind und die Kälte erschwerten den Aufstieg. Die Dunkelheit führte einen nicht in Versuchung, in der Gegend umherzuschauen und sich ablenken zu lassen: man konzentrierte sich völlig auf den Weg und bestieg die Spitze so auf behutsame Weise. Erst während einer Pause blickte ich in den Himmel und sah das erste Mal in meinem Leben eine Sternschnuppe.

 

Es war insbesondere gegen Ende körperlich eine große Anstrengung, nicht zuletzt weil auch die Luft immer dünner wurde. Pünktlich zum Sonnenaufgang um 06 Uhr erklomm ich als einer der Ersten die Spitze, Lenana Point. Das Gefühl der Erschöpfung wich einem unbeschreiblichen Gefühl des Triumphs. Ich habe einen der zehn höchsten Berg der Welt bestiegen - Kenya, here I am! Right on top of you!

 

Der unbeschreiblich schöne Sonnenaufgang trug zu diesem Glücksgefühl bei und nur der kalte Wind war es wieder, der die Zeit auf der Spitze ungemütlich machte, so dass wir uns wieder auf den Rückweg begeben mussten. Nun nahm ich mein Umfeld war: Es erinnerte an eine Mondlandschaft. Neben kraterähnlichen, pflanzenlosen Steinfeldern finden sich hier kleine Seen, die zum Teil sogar von Schnee und Eis überlagert werden. Weder Tiere noch Farben bestimmen das Leben auf 5000 Metern Höhe - es ist augenscheinlich eine leblose Landschaft, die zuweilen von glücklichen Bergsteigern durchkreuzt wird. Wir waren glücklich, denn wir alle zwölf haben es geschafft. Wir waren auf dem Mount Kenya.

 

Ein wichtiger Umstand hat ebenfalls dazu beigetragen, dass wir unser Abenteuer voll und ganz genießen konnten: das Wetter. Typisch für diese Saison ist eigentlich der Regen, der uns jedoch erspart blieb. Unsere Sachen blieben trocken und insbesondere auf der Spitze blieben uns Wolken erspart, die womöglich die Sicht verdeckt hätten und den Blick auf einen traumhaften Sonnenaufgang verhindert hätten. Der Regen gilt in Kenia als Segen. Gesegnet wurden wir als wir uns in den Kleinbus setzten, unsere Wandertour somit vorüber war, denn in diesem Moment fing es an zu regnen. Das Bergsteigen war körperlich anstrengend (bis zu 10 Stunden täglich), vor allem das Hinuntergehen von der Spitze war eine Qual, da das Geröll einen rhythmischen Abstieg verhinderte. Das Herabsteigen ging auf die Knie. Das Gefühl jedoch, eine tolle Leistung erbracht zu haben, einen Berg erklommen zu haben und Zeit gehabt zu haben - sowohl für sich, als auch für die anderen Freiwilligen - laesst einen über die Strapazen, denen man ausgesetzt war, schnell vergessen.

 

Eines der Dinge, die ich in meinem Leben schaffen wollte, habe ich erreicht: Ich habe einen hohen Berg bestiegen. Ich denke, dass ich damit einen Stein ins Rollen gebracht habe.

09.November: Drei-Monatsbericht

Drei-Monatsbericht

 

Ich bin seit dem 11. August 2012 in Kenia und habe nach einem informativen und lehrreichen Orientierungsseminar in Nairobi, das ich als sehr gute Ergänzung zu dem Vorbereitungsseminar in Deutschland wahrgenommen habe und das die anderen Freiwilligen und mich gut aufgefangen und vor einem Kulturschock bewahrt hat, meinen Freiwilligendienst an der Grund- und weiterführenden Schule am Brother Beausang Catholic Education Centre in Embul-Bul begonnen.


Sowohl mit meiner Gastfamilie als auch mit meinem Projekt bin ich sehr zufrieden. Ich kam hochmotiviert nach Kenia, um als Lehrer zu arbeiten, Kinder zu unterrichten. Den Großteil meiner Zeit verbringe ich also damit, eine 9. Klasse in Englisch zu unterrichten; ich bereite den Unterricht vor, korrigiere und benote meine 48 Schülerinnen und Schüler. Den Rest meiner Zeit verbringe ich in der modernen Administration der Schule oder in der Grundschule, wo ich dem stellvertretenden Schulleiter beim Unterrichten seiner 7. Klasse in Mathematik assistiere.


Das Projekt ist großartig, weil viele Möglichkeiten gegeben sind, sich zu engagieren. Aus diesem Grund habe ich bereits einen Deutsch-Club ins Leben gerufen, eine Schwimm-AG gegründet, an der die 4.-8.-Klässler begeistert teilnehmen, und sogar eine Lesenacht geplant, bei der die Kinder in der Schule übernachten und deutsche Märchen erzählt werden. Damit habe ich bereits mehr erreicht, als ich mir vorgenommen habe – denn die Kinder haben mich nicht nur sehr gern, sie haben auch viel Spaß an den Aktionen, die ich ins Leben gerufen habe, denn sie sind bisher noch nie da gewesen. Ich weiß, dass die Kinder an den Umsetzungen meiner Ideen Spaß haben und mich in Erinnerung behalten werden. Das würde ich auch von meinen Schülern in der 9. Klasse behaupten, die mich als ihren Lehrer akzeptieren, obwohl der durchschnittliche Altersunterschied nur bei drei Jahren liegt. Ich lerne, mich in der Klasse durchzusetzen und Kinder zu unterrichten, was ich mir in Deutschland gewünscht habe, auch wenn ich nicht verschweigen kann, dass es mir manchmal schwer fällt, meine Schülerinnen und Schüler dazu zu bringen, sorgfältig und pflichtbewusst zu arbeiten.


Insbesondere die Grundschulkinder sind munter und wenn es mir mal nicht so gut geht, gehe ich zu ihnen, woraufhin sie auf mich zugestürmt kommen, meine Hand halten, sich mit mir unterhalten und wir gemeinsam Spaß haben. Auch meine vielen Kollegen sind freundlich und ich habe die Möglichkeit, mich mit vielen interessanten Menschen zu unterhalten und auszutauschen. Ich geniesse die Zeit in meinem Projekt so sehr, dass ich meistens von 7 bis 17 Uhr in der Schule bin. Die Schulleitung ist sehr kooperativ und entgegenkommend, und stets hilfreich, wenn man neue Ideen oder gar Probleme hat. Es werden einem keine Steine in den Weg gelegt, sondern man wird – ganz im Gegenteil – von Schülern und Kollegen als volle Lehrkraft wahrgenommen und akzeptiert. Aus diesem Grund macht mir das Unterrichten Spaß, obwohl ich schon realisiert habe, wie sehr ich mich verändert habe: Seitdem ich in Kenia unterrichte, möchte ich kein Lehrer mehr werden. Es ist nicht so, dass mir die Arbeit in der Schule keinen Spaß macht, vielmehr haben sich meine Interessen gewandelt, so dass ich meinen Berufswunsch, den ich seit 8 Jahren hege, und zwar Gymnasiallehrer zu werden, abgelegt habe. Das ist die größte und persönlich prägendste Erfahrung, die ich bisher in Kenia gemacht habe.


Ich bin sehr dankbar, mich und meine Ideen in meinem Projekt realisieren zu können und bereits in dieser kurzen Zeit so viel über mich gelernt zu haben. Das habe ich niemals für möglich gehalten. Mein Leben in Kenia mich bereits geprägt und stückweit verändert.


Ich nehme das Leben in Kenia als erstaunlich anders wahr, und zwar auf eine Weise, die mir gefällt, weil mir das Leben hier leichter fällt. Ich fokussiere mich auf die Dinge, die mir gefallen und die ich gerne mache: ich unterrichte, ich lese, ich treffe mich mit anderen Freiwilligen, ich lerne viel über Land und Leute, ich lerne Kiswahili und bemühe mich um einen interkulturellen Austausch. Bisher ist mir jedoch noch unklar, wie ich aktive Friedensarbeit in mein Leben in Kenia integrieren kann: Was ist mit aktiver Friedensarbeit gemeint? Ist es womöglich etwas anderes, als ich mir momentan vorstelle und werde ich es bis zu meinem nächsten Bericht in drei Monaten realisiert haben? Es wird sich zeigen.


Wenn Kenianer mir sagen, dass man mir anmerkt, dass ich kein Tourist bin, bin ich glücklich, denn es zeigt mir, dass ich mich hier in Kenia gut eingelebt zu habe. Momentan bin ich sehr zufrieden mit meinem Leben. Es ist nicht so, dass ich nicht an Zuhause denke – ich habe gelegentlich Heimweh, weil ich weiß, dass ich vor August 2013 keinen deutschen Boden betreten werde. Was ich allerdings nicht habe, ist Sehnsucht nach Deutschland – ich freue mich nämlich noch so sehr auf meine Zeit in Kenia, auf die spannenden Erfahrungen, die ich hier sammeln werde und auf die weiteren persönlichen Erkenntnisse, die mir noch bevorstehen.


Mein Jahr in Kenia ist ein Lerndienst, eindeutig. Ich freue mich, noch so viel mehr zu lernen.

 

08.Oktober: Wochenende in Migori

Dieses Wochenende habe ich in Migori, Province of Nyanza, verbracht. Migori ist im Sued-Wesen von Kenia, einer Region, in der ich noch nie war. Ich habe eine ICJA-Freiwillige aus Daenemark besucht, die in Rangenja wohnt und arbeitet. Ihr Name ist Mette. Mette hat drei Gastmuetter, weil ihr Gastvater, Thomas, ein sehr, sehr netter Mann, mit drei Frauen verheiratet ist.

 

Die 8-stuendige Hinfahrt (“there is no hurry in Africa”, wir fuhren erst eine Stunde spaeter los!) war angenehm, weil ich in der ersten Reihe neben dem Busfahrer sas und eine ganz tolle Aussicht und Beinfreiheit hatte. Sobald der Bus ins Rollen kam, schlief ich ein. Als ich aufwachte, war ich baff. Vor mir befand sich das Rift Valley, ein riesiger Graben, der sehr beeindrucksvoll war. Ich fuhr von oben (Nairobi ist hoch gelegen) das Rift Valley hinunter und genoss dieses Naturschauspiel. Ich konnte zusehen, wie sich die Landschaft um mich herum stetig veraenderte. Im Tal des Grabens war es trocken, savannenartig und desto laenger ich fuhr, desto gruener wurde die Landschaft. In Migori schliesslich war es so gruen, dass ich mich fast wie in den Tropen fuehlte, nur dass die Luftfeuchtigkeit hier angenehm niedrig ist.

 

Als ich endlich in Migori ankam, wartete Mette in der Daemmerung schon auf mich. Ich hatte Panik vor moeglichen Malariamuecken, die im Suedwesten Kenias ab Anbruch der Dunkelheit durch die Gegend fliegen. Mette empfing mich in Kleid und Top. Ich stieg aus mit langer Jeans, Socken und Kapuzenpullover, eingesprueht mit Mueckenschutz. Welcome to Migori! Wehe ich bekomme Malaria!

 

Wir fuhren auf einem Piki Piki zu ihr nach Hause. Sie wohnt sehr laendlich in Rangenja, ohne Strom, fliessend Wasser und Fernseher. Hier ist man auf Tageslicht angewiesen. Ihre Familie ist sehr nett und hat mich herzlich aufgenommen. Sie wohnt bei Luos, bekannt fuer ihre Liebe zu Fisch und Hexerei und Zauberei. Ich habe nur den leckeren Fisch wahrgenommen, der aus dem Lake Victoria kommt. Ich bin der erste Besucher, den Mette bei sich hatte - die Freude war gross. Das Essen in Mettes gastfreundlicher Familie war viel: selbst zum Fruehstueck wurde Reis gekocht, Pancakes frittiert, Mandazis und Chapatis gebacken. Es war sehr gut.

 

Ich ging mit Mette in ihr Projekt und nahm war, dass sich ihre Schule grundlegend von meiner unterscheidet, vorallem die Kinder sind anders. Sie reden nicht - selbst wenn kein Lehrer im Raum ist, fluestern sie nur. Nichtsdestotrotz waren sie sehr interessiert. Als sie uns schon von weitem kommen sahen, schrien sie auf und schauten uns nach. Der Schulleiter zeigte mir, dem “Visitor”, die Schule, die aufgrund des Lehrerstreiks in Kenia verspaetet begann. Wir asen dort Mittagessen (staple food: Ugali and Sukuma Wiki) und spazierten nach Migori, vorbei an einer wunderschoenen Landschaft. In Migori gingen wir auf den Markt, in den Supermarkt und mussten uns schliesslich unterstellen, weil einer der ploetzlichen Platzregen (typisch fuer diese Jahreszeit) einsetzte. Mette und ich besuchten Janina, Bille und Jessi in deren Projekt, einem Waisenhaus und asen deutsche Suessigkeiten – ja, deutsche Suessigkeiten. Billes Mutter kam zu Besuch und brachte so viel Suessigkeiten mit. Ich habe das erste Mal seit zwei Monaten so viel Suessigkeiten gegessen und war so gluecklich. Mein Zuckerhaushalt wurde aufgefuellt.

 

Bis auf die Rueckfahrt (“cheap is expensive in Kenya”, das erklaerte mir mein Gastvater im Nachhinein, denn ich war in einem “Billigbus” fuer blos sechs Euro fuer die 8-stuendige Fahrt) war die Zeit, die ich in Migori verbracht habe, wunderbar. Es war eine tolle Erfahrung und ich hoffe, Mettes Familie noch mal bei Gelegenheit besuchen zu koennen. Sante sana, Mette na jamii ya Mette.

25.September: Safari-Camp

Dieses Wochenende war ich mit den anderen Freiwilligen auf Safari in der Nähe von Konza. Obwohl wir bloß zwei Stunden von der Hauptstadt entfernt waren, war alles anders.

 

Wir waren auf der Lisa-Range, abgeschieden von jeglicher Zivilisation, umgeben von Wüste und wilden Tieren. Ich habe Strauße, Zebras, Büffel, Antilopen und Giraffen gesehen. Die Landschaft war genau so, wie man sie sich in Afrika vorstellt - die Steppengräser, Dornbüsche, Wasserlöcher und Berge, von denen man eine atemberaubende Aussicht auf diese afrikanische Landschaft hatten. Ich konnte sogar den Mount Kilimanjaro in der Ferne sehen. Selbst die Mittagssonne ist so angenehm, dass man sie fast vergessen kann, weil es hier es hier windig ist. Wir fuhren auf dem Dach unseres Safaribuses durch die Savanne und waren einfach nur sprachlos und beeindruckt von dieser unberührten Natur. Genau diese Natur hat mich so fasziniert, denn ich konnte bis an den Horizont schauen und dabei kein Zeichen von Zivilisation sehen: keine Häuser, Windmühlen, Strommäste oder Telefonleitungen - nichts. Diese Landschaft sah vor 2000 Jahren also genau so aus wie heute. Sobald es dunkel wurde, waren drei atemberaubende Naturschauspiele zu beobachten: Sonne, Mond und Sterne. Die Sonne geht so schnell unter, dass man sogar mitzählen und zusehen kann, wie sie langsam hinter dem Horizont verschwindet. Wenn die Sonne verschwunden ist, nimmt man den Mond war. Weil man von einem anderen Winkel auf den Mond sieht, liegt der Mond auf der Seite, wie eine Schale. Nach ein paar Stunden Finsternis verschwindet der Mond und ist weg, bis er dann gegen Morgen auf der gegenüberliegenden Seite wieder zu sehen ist. In der Zwischenzeit kann man die vielen Sterne bestaunen und bei Gelegenheit sogar eine Sternschnuppe wahrnehmen.

 

Ich war und bin immer noch fasziniert und habe die Zeit sehr genossen. Es war toll, die anderen Freiwilligen wieder zu sehen und das nächste Treffen zu planen: Ende November steht Bergsteigen auf dem Programm. Ich will auf den höchsten Berg Kenias.

02.September: Die erste Woche bei meiner Gastfamilie

Seit letzten Samstag bin ich bei meiner Gastfamilie. Heute ist bereits Anfang September und ich möchte meine bisher gesammelten Eindrücke festhalten und teilen. Damit ich nicht einfach drauf los schreibe und es womöglich unübersichtlich wird, habe ich diesem Eintrag unterschiedliche Überschriften gegeben und ihn auf wenige wichtige Punkte reduziert.

 

Verkehr: Da am 04.09. die Schule losgeht, haben wir einen Familienausflug ins Freibad unternommen. Es war nicht viel los, da die meisten Kenianer ihr Geld erst Anfang/Mitte des Monats erhalten (zu diesen Zeiten ist es gerappelt voll; das trifft auch auf Clubs, Malls etc. zu). Auf der Fahrt habe ich den Verkehr bewusst wahrgenommen und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mich hier nicht traue, Auto zu fahren. Es wurde mir das, was ich in Büchern gelesen habe, vor Augen geführt: Einige wenige bekloppte Kenianer überholen tatsächlich in Kurven! Kommentar meines Gastbabas: "They don't think. These people just don't think." Recht hat er. Grundsätzlich gilt auch, dass man als Fußgänger aufzupassen hat, dass man dem Autofahrer nicht vor die Füße läuft, nicht umgekehrt. Verkehr läuft hier anders. Die wenigsten Autos würde der TÜV in Deutschland zulassen. Nichtsdestotrotz erfüllen die Autos hier ihren Zweck: Sie bringen einen von A nach B, obwohl man auch öfters Autos sieht, die am Straßenrand stehen und nicht weiterfahren.

 

Essen: Das Essen ist lecker und gesund. Zum Frühstück gibt's häufig Brot mit kenianischem Tee. Lunch und Dinner sind warme Mahlzeiten, zum Beispiel Reis, Ugali (Maisbrei), Kohl, Sukumawiki (spinat-ähnlich), Hühnchen, Samosa (Teigtaschen) oder Chapati (erinnern an Pfannkuchen). Das Hauptgetränk ist und bleibt Tee.

Insbesondere das frische Obst und Gemüse gefällt mir sehr. Mittlerweile habe ich sogar meinen persönlichen Obsthändler, der genau weiss, wie sehr ich Avocados liebe. Generell muss man als Mzungu (Weisser) jedoch aufpassen, da oft das doppelte des Preises verlangt wird. Auch in Museen gibt es verschiedene Preiskategorien: Resident und Non-Resident. Mit Non-Residents sind Touristen gemeint, die das vierfache zahlen müssen. Ohne Handeln läuft da nichts!

 

Pünktlichkeit: Ich wollte die Überschrift zuerst 'Mentalität' nennen, aber nach einem Monat traue ich mich noch nicht, Aussagen darüber zu treffen. Aus diesem Grund beschränke ich mich nur auf das Verständnis von Pünktlichkeit einiger Kenianer. Planen generell ist problematisch, weil Faktoren wie Stromausfälle, Gelassenheit und Unpünktlichkeit anderer das deutsche Bedürfnis nach Planung ins Wanken bringen. Ich merke schon, dass ich viel gelassener und ruhiger bin als in Deutschland, wenn sich etwas verzögert und man nicht wie geplant zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort ist, "Hakuna Matata".

 

Landschaft: Ich wohne in Ngong, einem der landschaftlich schönsten Ortes Kenias. Ich gehe hier morgens regelmäßig joggen und treffe dabei viele andere Läufer, die die 2000-Meter-Höhe mit mir zusammen geniessen und zum Teil sogar für die nächsten Olympischen Spiele trainieren. Mal schauen, wie weit ich es so bringe. Zur Zeit sieht es weniger gut aus - wo ich zuhause 60 Minuten laufe, verrecke ich hier schon auf halber Strecke.

 

"Call me maybe": Dieser Song bekommt eine andere Bedeutung in Kenia, weil man hier tatsächlich sehr oft nach seiner Nummer gefragt wird, obwohl man zum Beispiel nur nach dem Weg fragen wollte. Damit will ich sagen, dass man sehr, sehr schnell mit den Kenianern ins Gespräch kommt, die sehr extrovertiert, sympathisch und lebensfroh sind.

 

Diese Eindrücke kann ich nach meiner ersten Woche hier in Ngong und nach zwei Wochen in Nairobi festhalten. Ich freue mich auf meinen Projektstart am Montag, weil ich dies noch brauche, um endlich sagen zu können: "Ja, ich habe mich in Kenia eingelebt." Zur Zeit bin ich auf sehr guten Wege - September, ich komme!

 

23.August: Arrival Camp in Nairobi

 

Das zweiwöchige Orientation Camp mit den anderen Freiwilligen in Nairobi hat sehr viel Spaß gemacht und war hilfreich, um uns einen Riesen-Kulturschock zu ersparen; wir wurden abgefangen und konnten uns über zwei Wochen langsam an die Gewohnheiten und Eigenarten Kenias gewöhnen.

Ein kleiner Kulturschock blieb aber dennoch nicht aus: Manchmal gibt es hier nur kaltes oder kein Wasser. Der Himmel über Nairobi ist nachts rot. Wäsche waschen - ich brauchte 4 Stunden! Das Essen. Die Unterkunft. Sanitäre Anlagen. Matatus. Laute Musik. Albinos. Unpünktlichkeit, polepole. Menschengewusel.

Es ist anders.

 

In einer anderen Welt fühlte ich mich auch, als ich abends mit den anderen Freiwilligen ein Konzert besucht habe, wo traditionelle kenianische, tansanische und ugandische Lieder gesungen und Tänze getanzt wurden. Vergleichen lässt sich dies niemals mit einer deutschen Veranstaltung, denn es herrschte eine Lautstärke, ein Durcheinander, eine Stimmung, die ich bisher noch niemals erlebt hatte.

Wir Freiwilligen wurden auf die Bühne gerufen und tanzten auf das Lied “I like to move it, move it”. Wir fühlten uns unwohl, da wir uns wie Zootiere vorkamen, die fotografiert und vorgeführt wurden. Warum wurden wir also auf die Bühne geholt?! Antwort: Man wertschätzte unsere Anwesenheit und ließ uns Anerkennung zukommen. Mir zeigte es, dass ich noch sehr viel lernen muss, um das kenianische Leben zu verstehen.

 

Klimatechnisch ist Nairobi perfekt. Ich habe in keinem anderen Land ein besseres Klima erlebt als das Wetter in Nairobi. Der August gilt zwar als kältester Monat, aber trotzdem sind es tagsüber ungefähr 25 Grad, die Sonne scheint, aber man schwitzt nicht. Sobald man hier in einen geschlossenen Raum kommt, ist es kühl, und zwar ohne Klimaanlagen. Auch dass es nachts kalt wird, circa 10 Grad, gefällt mir, weil ich nachts gut schlafen kann. Das Wetter in Nairobi ist perfekt.

 

Die Kenianer sind sehr freundlich, offen und es herrscht wenig Privatsphäre im öffentlichen Leben. Das Stadtleben gefällt mir immer besser; Nairobi ist klasse. Man wird gegrüßt und kommt leicht mit den Kenianern ins Gespräch. Es kommt allerdings auch vor,  dass man auf seine Hautfarbe reduziert und als "Mzungu" (Weißer) bezeichnet wird. Als wir eines Abends italienisch essen waren, wurden wir von vielen Bettlern angesprochen, denen ich immer wieder zu vermitteln versuchte, dass wir nicht interessant für sie sind, weil wir Freiwillige und keine Touristen sind (in Nairobi sind kaum Touristen zu sehen). Für sie waren wir trotzdem nur reiche Wazungu.

 

Nicht nur Nairobi, sondern auch die Umgebung hat sehr viel zu bieten. Einen Tag machten wir einen Ausflug, ausgerechnet nach Ngong (meinem Wohn- und Arbeitsplatz für dieses Jahr!), um Wandern und Klettern zu gehen. Ich war erstaunt, wie schön Ngong und Umgebung ist und wie viel Spaß mir diese Abenteuer-Tour durch den Dschungel gemacht hat. Die Vegetation ist vielfältig, der Ausblick atemberaubend.

Nicht zu vergessen ist das Nachtleben hier in Kenias Hauptstadt. Eines Abends waren wir feiern und es war großartig. Angesagte Songs liefen, man konnte sich Getränke im Club leisten und ich bin so glücklich, dass ich nicht lange ins Zentrum brauche, um hier am Wochenende mit den Anderen feiern zu gehen.

Auch die Tiere sind eindrucksvoll. Neben Marabus und Haggedashs laufen beim Essen auch Hühner und Katzen durch unsere Beine. Eines Morgens sprang ein Affe während des Unterrichts am Fenster vorbei. Ein Affe!
Apropos Unterricht: Mister Newton Jumba ist ein junger kenianischer "Mwalimu" (Lehrer), der uns Suaheli, die Amtssprache Kenias, beibringt. "Are we somewhere?" fragt Mwalimu immer und zeigt uns durch verschiedene Unterrichtsmethoden, wie Schule in Kenia funktioniert.

 

Morgen lerne ich meine Gastfamilie kennen. Wir Freiwilligen kochen typisches Essen aus unseren jeweiligen Ländern. Ich mache Mehlknödel. Am Samstag, sprich übermorgen, fahre ich ziehe ich dann zu meiner Familie - es ist so aufregend.

 

Momentan ist Kenia noch eine andere Welt. Es wird wohl etwas dauern, bis ich mich ganz heimisch fühle und über das meiste Bescheid weiss. Das ist in Ordnung. Es war bisher ein toller Auftakt und ich freue mich sehr auf die mir noch bevorstehende Zeit in Kenia, meinem neuen Zuhause.

 

Arrival
Camp
in
Nairobi
Das
zweiwöchige
Orientation
Camp
mit
den
anderen
Freiwilligen
in
Nairobi
hat
sehr
viel
Spaß
gemacht
und
war
hilfreich,
um
uns
einen
Riesen-­‐Kulturschock
zu
ersparen;
wir
wurden
abgefangen
und
konnten
uns
über
zwei
Wochen
langsam
an
die
Gewohnheiten
und
Eigenarten
Kenias
gewöhnen.
Ein
kleiner
Kulturschock
blieb
aber
dennoch
nicht
aus:
Manchmal
gibt
es
hier
nur
kaltes
oder
kein
Wasser.
Der
Himmel
über
Nairobi
ist
nachts
rot.
Wäsche
waschen
-­‐
ich
brauchte
4
Stunden!
Das
Essen.
Die
Unterkunft.
Sanitäre
Anlagen.
Matatus.
Laute
Musik.
Albinos.
Unpünktlichkeit,
polepole.
Menschengewusel.
Es
ist
anders.
In
einer
anderen
Welt
fühlte
ich
mich
auch,
als
ich
abends
mit
den
anderen
Freiwilligen
ein
Konzert
besucht
habe,
wo
traditionelle
kenianische,
tansanische
und
ugandische
Lieder
gesungen
und
Tänze
getanzt
wurden.
Vergleichen
lässt
sich
dies
niemals
mit
einer
deutschen
Veranstaltung,
denn
es
herrschte
eine
Lautstärke,
ein
Durcheinander,
eine
Stimmung,
die
ich
bisher
noch
niemals
erlebt
hatte.
Wir
Freiwilligen
wurden
auf
die
Bühne
gerufen
und
tanzten
auf
das
Lied
“I
like
to
move
it,
move
it”.
Wir
fühlten
uns
unwohl,
da
wir
uns
wie
Zootiere
vorkamen,
die
fotografiert
und
vorgeführt
wurden.
Warum
wurden
wir
also
auf
die
Bühne
geholt?!
Antwort:
Man
wertschätzte
unsere
Anwesenheit
und
ließ
uns
Anerkennung
zukommen.
Mir
zeigte
es,
dass
ich
noch
sehr
viel
lernen
muss,
um
das
kenianische
Leben
zu
verstehen.
Klimatechnisch
ist
Nairobi
perfekt.
Ich
habe
in
keinem
anderen
Land
ein
besseres
Klima
erlebt
als
das
Wetter
in
Nairobi.
Der
August
gilt
zwar
als
kältester
Monat,
aber
trotzdem
sind
es
tagsüber
ungefähr
25
Grad,
die
Sonne
scheint,
aber
man
schwitzt
nicht.
Sobald
man
hier
in
einen
geschlossenen
Raum
kommt,
ist
es
kühl,
und
zwar
ohne
Klimaanlagen.
Auch
dass
es
nachts
kalt
wird,
circa
10
Grad,
gefällt
mir,
weil
ich
nachts
gut
schlafen
kann.
Das
Wetter
in
Nairobi
ist
perfekt.
Die
Kenianer
sind
sehr
freundlich,
offen
und
es
herrscht
wenig
Privatsphäre
im
öffentlichen
Leben.
Das
Stadtleben
gefällt
mir
immer
besser;
Nairobi
ist
klasse.
Man
wird
gegrüßt
und
kommt
leicht
mit
den
Kenianern
ins
Gespräch.
Es
kommt
allerdings
auch
vor,
dass
man
auf
seine
Hautfarbe
reduziert
und
als
"Mzungu"
(Weißer)
bezeichnet
wird.
Als
wir
eines
Abends
italienisch
essen
waren,
wurden
wir
von
vielen
Bettlern
angesprochen,
denen
ich
immer
wieder
zu
vermitteln
versuchte,
dass
wir
nicht
interessant
für
sie
sind,
weil
wir
Freiwillige
und
keine
Touristen
sind
(in
Nairobi
sind
kaum
Touristen
zu
sehen).
Für
sie
waren
wir
trotzdem
nur
reiche
Wazungu.
Nicht
nur
Nairobi,
sondern
auch
die
Umgebung
hat
sehr
viel
zu
bieten.
Einen
Tag
machten
wir
einen
Ausflug,
ausgerechnet
nach
Ngong
(meinem
Wohn-­‐
und
Arbeitsplatz
für
dieses
Jahr!),
um
Wandern
und
Klettern
zu
gehen.
Ich
war
erstaunt,
wie
schön
Ngong
und
Umgebung
ist
und
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viel
Spaß
mir
diese
Abenteuer-­‐Tour
durch
den
Dschungel
gemacht
hat.
Die
Vegetation
ist
vielfältig,
der
Ausblick
atemberaubend.
Nicht
zu
vergessen
ist
das
Nachtleben
hier
in
Kenias
Hauptstadt.
Eines
Abends
waren
wir
feiern
und
es
war
großartig.
Angesagte
Songs
liefen,
man
konnte
sich
Getränke
im
Club
leisten
und
ich
bin
so
glücklich,
dass
ich
nicht
lange
ins
Zentrum
brauche,
um
hier
am
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mit
den
Anderen
feiern
zu
gehen.
Auch
die
Tiere
sind
eindrucksvoll.
Neben
Marabus
und
Haggedashs
laufen
beim
Essen
auch
Hühner
und
Katzen
durch
unsere
Beine.
Eines
Morgens
sprang
ein
Affe
während
des
Unterrichts
am
Fenster
vorbei.
Ein
Affe!
Apropos
Unterricht:
Mister
Newton
Jumba
ist
ein
junger
kenianischer
"Mwalimu"
(Lehrer),
der
uns
Suaheli,
die
Amtssprache
Kenias,
beibringt.
"Are
we
somewhere?"
fragt
Mwalimu
immer
und
zeigt
uns
durch
verschiedene
Unterrichtsmethoden,
wie
Schule
in
Kenia
funktioniert.
Morgen
lerne
ich
meine
Gastfamilie
kennen.
Wir
Freiwilligen
kochen
typisches
Essen
aus
unseren
jeweiligen
Ländern.
Ich
mache
Mehlknödel.
Am
Samstag,
sprich
übermorgen,
fahre
ich
ziehe
ich
dann
zu
meiner
Familie
-­‐
es
ist
so
aufregend.
Momentan
ist
Kenia
noch
eine
andere
Welt.
Es
wird
wohl
etwas
dauern,
bis
ich
mich
ganz
heimisch
fühle
und
über
das
meiste
Bescheid
weiss.
Das
ist
in
Ordnung.
Es
war
bisher
ein
toller
Auftakt
und
ich
freue
mich
sehr
auf
die
mir
noch
bevorstehende
Zeit
in
Kenia,
meinem
neuen
Zuhause.

12.August: Ausflug nach Nairobi

Heute fuhren wir in die Stadt, um wichtige Besorgungen zu erledigen: Ich habe mir ein einfaches Handy, Seife und kühles Wasser, keinen Tee, gekauft.


Es war interessant zu sehen, wie geduldig die Kenianer sind, und insbesondere wie gelassen die Verkäufer sind. In Kenia hat man Zeit, "pole pole". Es ist mir gestern schon aufgefallen und ich bin mir sehr sicher, dass mich dies für mein gesamtes Auslandsjahr begleiten wird. Interessant ist, dass der Großteil der Deutschen den Verkäufern die Wände hochgelaufen würden – in Afrika ticken die Uhren anders: Vieles läuft hier langsamer. Man ist gelassen. Man hat Zeit. (Achtung: subjektiv!)


Nairobi hat mir sehr gut gefallen. Die Leute sind enorm freundlich. Es ist aber furchtbar, direkt mit Armut und Elend konfrontiert zu sein. Oft sind es kleine Kinder, um die 8 Jahre, die einem nachlaufen und nach Geld fragen. Die kleinen Kinder schnüffeln oft Flüssigkleber und sind dementsprechend schon früh auf Droge. Dies zu sehen ist furchtbar, weil ich nicht weiss, wie ich mich den Straßenkindern gegenüber verhalten soll. Man will helfen, aber wie? Geld schenken scheint mir nicht die richtige Lösung zu sein. Solche Erlebnisse nehmen einen mit.


Apropos Geld, 1 Euro entspricht 100 Shilling, d.h. 1 Shilling ist 1 Cent wert. Der höchste Geldschein in Kenia ist die 1000-Shilling-Note. Der wertvollste kenianische Geldschein entspricht also unserem 10-Euro-Schein. Es gibt keine höhere Geldnote.


Hungrig kamen wir nach vielen Stunden in unserer Unterkunft an und haben uns sehr auf kenianisches Essen gefreut. Es hat sehr gut geschmeckt: Reis mit Rindfleisch-Soße, Kohl und Linsen. Dazu Tee.

11.August: Meine Reise nach Kenia

Nachdem ich die anderen Freiwilligen getroffen habe, war ich beruhigt - och war beruhigt zu sehen, dass ich mich mit jedem der 14 deutschen Freiwilligen auf Anhieb gut verstanden habe. Außerdem war ich beruhigt, dass mir mit meinem 23,9-kg-Koffer und meinem viel zu schweren Handgepäck keine Steine in den Weg gelegt wurde. Puh!

Mehr oder weniger pünktlich flogen wir mit Etihad Airways los. Es wurde arabisch gesprochen, der Boden war mit Teppichboden ausgelegt und als zum Abflug noch bunte Leuchten angingen, war ich aufgeregt. Es ging nun nach Abu Dhabi. Ich hatte einen netten Sitznachbarn, Jurek, und der Flug ging schneller rum, als ich dachte.


Der Flughafen in Abu Dhabi war gigantisch. Der Tower war kein Tower, sondern ein Kunstwerk, das in der Wüste erbaut wurde und überhaupt nicht in diese Sandlandschaft passte. Bei der Landung wurden wir sogar darauf hingewiesen, dass Essen und Trinken in öffentlichen Gebäuden, wie dem Flughafen, nicht gestattet ist, weil zur Zeit Ramadan war. Ich war in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Auf dem Weg zum Gate 16 nach Nairobi holten wir uns noch etwas Wasser (für den Flug!), staunten über die bunte Mischung von Menschen verschiedenster Länder und waren über den Arbeitseinsatz dieses einen arabischen Zollbeamten schwer beeindruckt, der sich nicht im Geringsten für den Inhalt des Handgepäcks der Passagiere interessierte, die sich in das Flugzeug nach Nairobi aufmachten.


Der Flug nach Nairobi verlief gut. Das afrikanische Essen war super und bis auf die Landung war der Flug sehr erholsam. Die Landung war zum einen aufregend, weil man Kenia sah, zum anderen war sie aufregend, weil sie extrem ruckelig verlief. Wir sanken nicht stetig, sondern plumpsten Stück für Stück herunter bis wir hart aufsetzten, so dass sich eine Freiwillige sogar übergeben musste.


Der Airport in Nairobi unterschied sich deutlich von dem in Frankfurt oder Abu Dhabi. Er war wunderschön. Die Menschen, die man traf, waren nun nicht mehr überwiegend europäischer Herkunft, sondern afrikanischer. Wir wurden freundlich angelächelt und in Kenia willkommen geheißen.


Es stand allerdings direkt die erste kleine Geduldsprobe an, da uns keiner in Empfang nahm. Wir standen am Flughafen und keiner war dort. Gottseidank waren wir 14 Freiwillige, denen bewusst war, dass man in Kenia manchmal eben warten muss. Nach 10 Minuten kam auch schon ein Mitarbeiter vom ICYE und nahm uns im Kleinbus mit. Es war eine wunderschöne Fahrt, wo ich meine ersten Eindrücke aus Kenia mitnahm, zum Beispiel saß neben mir im Auto ein kleines Kind, das mich sah, mir zulächelte und winkte. Wir saßen nun dort als einzige Deutsche und fühlten uns wohl, trotz des Linksverkehrs und der chaotischen Fahrweise vieler Kenianer, die von irgendwo, links oder rechts, überholen und dabei lautstark hupen. Diese ersten Eindrücke waren atemberaubend. Bereits 5 Minuten weg vom Flughafen, mit Shakiras Lied “Waka, Waka” im Hintergrund, fuhren wir die Hauptstrasse entlang. Ich hätte stundenlang weiterfahren und schauen können. Es war toll.
Angekommen im Camp gab es Mandasi, einen kenianischen Eierkuchen, und die Ansage, dass wir die ersten beiden Tage ruhig angehen lassen werden, bis die anderen Freiwilligen aus Japan, Amerika, Taiwan, Schweden und Finnland hier sein werden. 
Im Anschluss verabredeten wir uns zu einem Spaziergang und gingen in einen Park, wo sich viele junge Kenianer trafen, um den Tag ausklingen zu lassen. Sie machten Liegestützen, sprinteten, spielten Fussball und Volleyball. Daraufhin gesellten wir uns einfach zu jungen Kenianern und spielten Volleyball mit ihnen. In dem Park hing sogar ein Schild, auf dem geschrieben stand, dass es verboten ist, die Affen zu füttern. Ich musste an das dazu passende Schild in Deutschland denken ("Das Füttern der Enten und Fische ist untersagt.") und lachen.


Das Klima ist so angenehm. Es ist warm, circa 25 Grad, und es ist eine angenehme, trockene Wärme. Es wurde erstaunlich schnell dunkel. Weil man hier direkt am Äquator ist, sind Tag- und Nachtphasen ausgeglichen, so dass es um 07 Uhr hell und 19 Uhr finster ist.
Ich finde es bemerkenswert, wie offen und lebensfroh viele Kenianer sind. Ob im Park, auf der Straße oder bei uns in der Anlage, man wird gegrüßt, kommt leicht ins Gespräch und lernt seine Mitmenschen schell kennen.

Zum Abendessen wurden Ugali, ein kenianischer Maisbrei, Spinat, Salat, Reis und eine Fleischsoße serviert. Dazu gibt es Tee in Kenia - und das bei diesen Temperaturen! Allerdings soll dies den Effekt haben, dass sich der Körper dadurch selbst abkühlt. Das hat er aber eigentlich gar nicht nötig, denn durch das kalte Wasser beim Duschen wird er dazu gezwungen, sich abzukühlen.



Das war mein erster Tag in Kenia, meinem neuen Zuhause für 12 Monate. Realisiert habe ich es noch nicht. Aber: Mir ist nicht mehr übel.

10.August: Abflugtag

Heute ists tatsächlich so weit. Ich fliege nach Afrika. Ich habe Bauchschmerzen, mein Fuß ist angeschwollen, mein Kopf tut weh, ich habe schlecht geschlafen und ein komisches Gefühl im Bauch. Ich fühle mich anders als noch am 29. Juli. Von meinem Freunden musste ich mich schon verabschieden und jetzt steht mir noch der Abschied von der Familie bevor.

 

Um 22:25 Uhr fliege ich von Frankfurt nach Abu Dhabi, treffe die anderen Freiwilligen und zusammen fliegen wir dann weiter nach Nairobi. Ein "schweres" Problem stellt noch mein Gepäck dar, ich habe Übergepäck. Hoffentlich sitzt jemand nettes am Schalter und drückt nicht nur ein, sondern beide Augen ganz fest zu. Wie kann man denn auch davon ausgehen, dass man mit 23 KG Gepäck für ein Jahr ins Ausland gehen kann?!


So, meinen nächsten Eintrag werde ich bereits in Kenia schreiben. Bis dann. Mir ist übel. 

29.Juli: Ready to go!

Erster Blog-Eintrag - meine Internetseite existiert, mein Vorbereitungsseminar ist auch vorüber, alle wichtigen Dokumente habe ich zusammen - es kann also fast schon losgehen! Aber auch nur fast, denn das Schwierigste kommt noch: Ich muss mich von meiner Familie, meinen Freunden und ganz vielen anderen, wichtigen Menschen für ein Jahr verabschieden. Mit jedem Tag rückt das Abflugdatum näher. Der 10. August steht in weniger als zwei Wochen vor der Tür. Alles in allem bin ich erstaunlich positiv. Ich freue mich sehr auf mein bevorstehendes Auslandsabenteuer. Kenia, ich komme! :-)